Die letzten Tage in Indien sind angebrochen. Wir sind in Kochi gelandet, von wo wir am Freitag nach Kuala Lumpur fliegen. Dank einem “Indernet” (kleiner Scherz am Rande) mit Wireless gibt es neuen Lesestoff für euch. Gleich zwei Beiträge habe ich hoch geladen. Also zuerst den nächsten Beitrag lesen, damit alles chronologisch bleibt.
Die letzen Wochen waren ja geprägt vom Strandleben. Zu erwähnen gibt es sicher den Strand von Palolem. Ein Sandstreifen von 20 Meter breite und einem Kilometer Länge. Auf der einen Seite das Meer und auf der andern Seite ein Palmengürtel. Die Palmen biegen sich Richtung Wasser, es macht fast den Anschein als wollten sie auch schwimmen gehen. Vielleicht sind sie aber auch nur auf der Flucht vor den vielen Strandverkäufern. Ein tropisches Gewitter haben wir dann auch noch erlebt. War ganz amüsant, Sigi beim Duschen unter Palmen zu zu sehen, so einschamponiert in Badehosen im ströhmenden Regen, das hatte was. Als dann noch der Strom ausfiehl und die Blitze näher kamen, so dass wir den Donner spühren konnten, machte ich mir zum ersten Mal Gedanken, was wohl passiert, wenn so eine riesige Palme auf unser Strohhüttchen fällen würde. Da wir aber nicht in, sondern vor der Hütte auf der Veranda sassen, verwarf ich diesen Gedanken recht schnell wieder.
Nach dem Gewitter gings an eine Party, die machen auch recht Krach. Hier waren die Inder aber besonders findig. Da die Parties hier draussen statt finden, und um 22:00 Uhr Nachtruhe gilt, kriegt wir beim betreten des Clubs nicht nur einen Coupon für einen gratis Drink sondern auch noch einen Kopfhöhrer. Ihr habt richtig gelesen, hier gibts Kopfhörer-Parties. Zu meinem Erstaunen hat dies doch ettliche Vorteile. Das Angebot von drei Kanälen lässt jedem die Wahl, zu was er gerne tanzen möchte. Wenn man den Kopfhöhrer weg nimmt, kann man sich ohne zu schreien mit jemandem unterhalten, vorausgesetzt das Gegenüber entledigt sich auch seiner Soundanlage. Das witzigste ist jedoch, mal einfach spontan die Kopfhörer runter zu nehmen und wenn dann nicht gerade ein Klassiker läuft, an dem sich die halbe Partymeute beim mitsingen versucht (könnt euch ja denken wie das mit Kopfhörer klingt), dann herscht einfach Stille. In einem Club wo mehrere hundert Leute rum zapppeln, entsteht so eine doch eher merkwürdige Stimmung.
Von Palolem gings einen Strand weiter nach Patnem. Dies zu Fuss und mit Vollpackung am Rücken, da wir am Tag zuvor gesehen hatten, dass das gar nicht so weit ist. Leider hat sich über Nacht noch eine Bucht und ein kleiner Wald zwischen die beiden Strände geschlichen, so dass das Ganze dann gepaart mit der Mittagssonne zu einem nicht sehr gemüthlichen, längeren Spatziergang wurde. Patnem war aber dann toll. Hier war die “my-friend-you-want-to-buy-something” Frequenz viel niedriger. Nicht nur der fast einsame Strand, auch der riesige Balkon unseres Zimmer, der grösser war als jede Strandhütte, die wir je bewohnt hatten, lut zum verweihlen ein. Hier fröhnten wir dem Müsiggang, verschlangen Bücher und genossen das herrliche Essen, was am Vortag noch mit uns im Meer schwamm.
Nach all der Erholung durfte es dann aber wieder mal eine Richtige Herausfordrung sein. Wir entschiden uns für eine Zugfahrt in der zweiten Klasse ohne Klimaanlage. Bis lang fuhren wir immer mindestens zweite Klasse mit Klimaanlage. Der Leihe denkt sich nun, wird ein Bisschen wärmer, aber ist ja immer noch die gleiche Klasse und dass das doch nicht so einen grossen Unterschied macht. Macht es eben doch! Das wissen wir mit Bestimmtheit nach der 16 stündigen Reise von Canacona nach Alappuzha. Der Unterschied ist etwa so gross, wie wenn du in der Schweiz von der zweiten Klasse in einen Güterwagon umplaziert wirst. Viel mehr Leute, viel mehr Lärm und viel mehr Krabelviehcher. Wo kaufen diese Kakarlaken bloss ihre Zugtickets? Und was denken sich bloss Eltern, die ihr Kind für den Nachtzug mit Fussgelenksrasseln und einem Quitschehammer ausstatten? Und wie um alles in der Welt ist es möglich, dass sich plötzlich vierzehn Leute in einem sechser Abteil quetschen, wo doch jeder ein Ticket für einen nummerierten und reservierten Sitzplatz hat? 16 Stunden hatte ich Zeit im Zug zum Überlegen, Antworten habe ich keine Gefunden. Indien ist auch nach mehr als sechs Wochen noch immer eine andere Welt für mich.
Alappuzha das Venedig von Indien ist berüht für seine Backwaters. Das Hinterland ist voller Wasserkanäle, die die einzelnen Dörfer verbinden. Schüler werden hier nicht mit dem Schulbus sondern mit dem Kanu in die Schule gefahren. Badezimmer braucht hier auch keiner, egal ob Kleider oder Körper, zum Waschen geht’s vors Haus in den Fluss. Um diese Backwaters zu besichtigen buchten wir einen Hausboot Ausflug. Zu viert ging’s am nächsten Mittag vom Hostel zum Schiff. Dort angekommen hat es mir dann die Sprache verschlagegen. Ich wurde ja schon einige Male in Indien überrasch, aber dies war das erste Mal das es daraus resultierte, dass ich einfach nur positiv überwältigt war. Eigentlich hatte ich nicht viel erwartet für die CHF 40 für eine Tour von 24h mit Übernachtung und Essen auf einem Hausboot. Was ich dann aber sah, übertraff all meine Vorstellungen. Zwei komfortable Zimmer, mit Bad, luxuriöser als alles was ich bisher gesehen habe. Ein Wohnzimmer mit Esstisch, kleinem Salontisch mit Korbsessel und Liegewiese auf bem Vordeck. Nicht zu vergessen die drei Mann Crew bestehend aus einem Kapitän, einem Koch und einem Tourmanager. Auch als wir schon mit unserem schwimmenden Palast durch die Kanäle fuhren, hatte sich meine Begeisterung auch nicht nur ein Bisschen gelegt. Die Atmosphäre in den Backwaters war fantastisch und führ einmal war es auch in Indien ganz still. Tags darauf war aber dann auch schon wieder Schluss. Dieser Trip gehört aber definitiv zu den Höhepunkten meiner Indienreise.
Zum Abschluss der indischen Wochen entschieden wir uns dann nicht für die “normalo” Busfahrt ins 50km entfernte Kochi, nein, wir wollten diese Reise an unseren Zielort in einem Tucktuck erleben. Eineinhalb Stunden und 150 mal Hupen später kamen wir in Fort Kochi an. War toll, mit dem konstanten Fahrtwind im Gesicht Indien noch ein letztes Mal aus einer Autorickshaw heraus zu betrachten und zu erleben.